 Von Wasserdichtigkeit bis Wasserdichtigkeit
Wasserdichtigkeit
Vorneweg - der Ausdruck wasserdicht ist, obwohl er sich im Fachjargon durchgesetzt hat, unglücklich gewählt. Eine Uhr ist nie grundsätzlich wasserdicht oder nicht, sondern immer nur druckgeschützt in einem Maße, das das Eindringen von Wasser verhindert, wenn es mit nicht mehr als dem zulässigen Druck auf diese Uhr trifft. Dieser Druck kann dem Wasserdruck in einer Tiefe von z.B. 1m, 30m, 50m oder 100m entsprechen. Nach der internationalen ISO-Norm 2281, der die deutsche DIN 8210 entspricht, dürfen Armbanduhren als "wasserdicht" bezeichnet werden, wenn sie widerstandsfähig sind gegen Schweiß, Wassertropfen, Regen, usw. und gegen Eindringen von Wasser beim Eintauchen bis zu einer Wassertiefe von 1m für die Dauer von 30 Minuten ohne Unterwasserbewegung. Diese Uhren sind jedoch nicht "wasserdicht" bei Schwankungen von Temperatur oder Wasserdruck. Uhren mit der Bezeichnung "wasserdicht" und der zusätzlichen Angabe des Prüfdrucks in "bar", "ATM" oder der entsprechenden Tiefe in "Metern" müssen widerstandsfähig gegen stärkere Schwankungen von Wasserdruck und Temperatur sowie Bewegungen im Wasser sein. Diese Uhren sind auf den angegebenen Druck hin geprüft - nach den Normvorschriften für eine Dauer von fünf Minuten. Die internationale wie auch die deutsche Normvorschrift unterstreichen ausdrücklich, dass es sich hierbei um einen Prüfdruck handelt, der nicht als zulässige Tauchtiefe betrachtet werden soll. Der Käuferargumentation "so tief tauche ich ja gar nicht" ist ebenfalls entgegenzusetzen, dass es bei der Druckbeständigkeit nicht auf Tauchtiefen ankommt, sondern auf denjenigen Druck, der tatsächlich auf der Uhr lastet. Und der kann beim Duschen, wenn der Strahl ungehemmt die Dichtung trifft oder beim Schwimmen, wenn die Uhr am Arm des Schwimmers mit großer Kraft auf das Wasser aufschlägt, erheblich sein. Die Druckbeständigkeit wirkt nicht nur gegen Wasser, sondern auch gegen Luft. Bei Wetteränderungen mit Luftdruckzunahme dringt Luft in das ungeschützte Gehäuse und mit ihr Feuchtigkeit, Staub und andere Schwebeteilchen. Die Auswirkungen auf das Räderwerk sind absehbar. Sollen negative Folgen von wetterabhängigen Luftdruckschwankungen einschließlich höhenabhängiger Luftdruckänderungen ausgeschlossen werden, muß die Uhr eine Druckbeständigkeit von 30m aufweisen. Erst dann ist sie gegen Eindringen von Luft unter normalen Alltagsbedingungen geschützt. Die Dichtigkeit einer Uhr vermindert sich im Zeitablauf. Letztendlich wird das Eindringen von Luft oder Wasser durch Dichtungselemente aus Gummi oder ähnlichen Materialien verhindert, die im Alterungsprozess, durch mechanische Beanspruchungen wie Erschütterungen und Stöße oder durch heftige und plötzliche Temperaturwechsel an Wirksamkeit verlieren. Eine ein- bis zweimal jährliche Überprüfung der Dichtigkeit im Fachgeschäft ist nicht von Schaden. Feuchtigkeitsabsetzung, wie Beschlagen des Uhrglases, muß nicht zwingend Folge unzureichender Druckbeständigkeit sein. Im Gegenteil - Kondenswasserbildung ist eine Zeichen funktionierender Druckbeständigkeit, denn ein Luftaustausch von der Umgebung in das Gehäuse bzw. in diesem Fall ungekehrt, findet nicht statt, denn die Luft und mit ihr die darin gebundenen Feuchtigkeit bleibt ja im Gehäuse, was die Kondenswasserbildung belegt. |